Ein Interview mit Tom Dunkel

von Hotel Existenz

„Ich würde gerne eine Ausstellung für nachtaktive Menschen organisieren“

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Hotel Existenz traf den Künstler Tom Dunkel am 8.Mai 2014 in den Räumlichkeiten der Arcade Bielefeld und hat mit ihm über seine Werke, seinen Hamster und die Nacht gesprochen.

 

Hotel Existenz: Tom, ist das ein gutes Gefühl hier in der Arcade zu stehen und deine Bilder an der Wand zu sehen?

Tom Dunkel: Ja sehr. Ich bin unheimlich erleichtert, dass alle Bilder hängen und bis jetzt ist sogar noch keins runtergefallen (lacht). Der ganze organisatorische Aufwand war wahnsinnig anstrengend für mich. Im letzten Jahr war ich den größten Teil alleine in meinem Zimmer und habe mit Papier und Farben zusammengelebt, ein kreativer Schlaf quasi und dann ging es plötzlich mit der Planung der Ausstellung los. Da habe ich mich so gefühlt, wie es meinem Hamster immer gehen muss, wenn ich ihn tagsüber wecke, weil mir langweilig ist.

H.E.: Du tust was?

T.D.: Ja, ich weiß. Aber das passiert nicht oft, da ich selber eher nachtaktiv bin. Nur manchmal verlangen die Umstände, wie zum Beispiel die Organisation der Ausstellung und die Ausstellung selbst, eine andere Lebensart von mir und dann vermisse ich meinen Hamster. Jetzt zum Beispiel vermisse ich ihn auch (lacht).

H.E.: Wir sind untröstlich Tom. Aber wo du jetzt erwähnt hast, dass du normalerweise nachtaktiv bist, kann es sein, dass du deswegen den Namen Dunkel trägst? Oder ist deine Schlafvorliebe und dein Nachname ein Zufall?

T.D.: Was hast du gefragt? Ich bin kurz eingenickt.

H.E.: Tom Dunkel ist also ein Geheimniskrämer. Aber gut, dass werde ich hinnehmen müssen. Was war zuerst da? Das Dunkel oder die Nachaktivität? Wir werden es zumindest heute nicht erfahren.

T.D.: Wie oft wurdet ihr schon gefragt, warum ihr gerade den Titel Hotel Existenz für euer Magazin gewählt habt?

H.E.: Okay, Ich sehe es ein! Also dann jetzt endlich zu deinen Bildern, die hier in der Arkade zu sehen sind. Die Serie heißt „Psychische Grundrisse“.

T.D.: Genau, so heißt sie. Und jetzt kommt der Punkt an dem ich mit der Wahrheit über die Bedeutung der Bilder herausrücken soll. Oder mit der Wahrheit über mich und meine Gründe, diese Bilder zu malen. Das ist es doch, was man in einem Interview hören will, richtig? Die Wahrheit. Aber welche? Es gibt so viele. Und oh nein, ich bin wieder abgekommen. Es ist anscheinend echt nicht meine Zeit. Also um zu meinen Bildern zu kommen: man sieht Grundrisse, unter anderem auch einen dieser Passage. Jedoch sieht man auch Farben. Und diese laden die akuraten Formen und Linien eines Grundrisses emotional, also psychisch auf. Es entsteht sowohl ein Kontrast, als auch eine Wahrheit bestehend aus zwei Ebenen, um nochmal auf die Wahrheit zurückzukommen. Mein Lieblingsbegriff im Moment, wie man vielleicht merken kann (lacht.)

H.E.: Ja, das merke ich. Aber ich finde das sehr interessant, was du soeben angedeutet hast, also das mit der Wahrheit. Ich denke da an die Unterscheidung zwischen objektiver und subjektiver Wirklichkeit, und dieses Thema erkenne ich gerade in deinen Arbeiten.

T.D.: Ja genau, das Thema fasziniert mich im Moment sehr und wir könnten da noch Stunden weiter drüber reden.

H.E.: Aber vergiss vor lauter Faszination das Schlafen nicht.

T.D.: Wenn du wüsstest, was du verpasst. Die Nacht ist wunderschön. So fernab der Realität. Manche Leute verkleiden sich als Fantasy-Figuren, ich gehe einfach nachts auf die Straße und werde unwirklich.

H.E.: Nun kann ich mir vorstellen, worauf du dich am meisten freust, nun da die Ausstellung steht. Hast du denn bereits neue Pläne?

T.D.: Ich würde gerne eine Ausstellung für nachtaktive Menschen organisieren. Nicht nur mit meinen Arbeiten, sondern auch mit Werken anderer Künstler, die bestenfalls natürlich auch nachts arbeiten. Dann würde es ein Buffett mit ganz vielen saftigen Käsebrötchen geben. Denn was gibt es besseres als ein Käsebrot um Mitternacht.

H.E.: Das klingt traumhaft!

T.D.: Oh ja. Traumhaft, das ist das richtige Wort. Hotel Existenz wird dann hoffentlich auch zugegen sein.

H.E.: Auf jeden Fall! Es war mir eine Freude, Tom! Bis in baldiger Dunkelheit dann.

T.D.: (Lacht) Ich freue mich!

 

Tom Dunkel

Ort im Ort

28.5. – 10-7.14

Die Arcade

Herforder Straße 10

33602 Bielefeld

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